Maori Neuseelands Ureinwohner

Die Maori sind die indigenen Ureinwohner Neuseelands. Maori sind bekannt für ihre einzigartigen Nephrit-Schnitzereien, ihre Gesangs- und Tanzdarbietungen (Haka) und ihre kulturell stark verwurzelte Tradition des Tätowierens. Ihre genaue Herkunft ist bislang unbekannt. Die Sprache und Kultur der Maoris ähnelt jedoch stark denen von polynesischen Völkern. Man nimmt an, dass die Maoris zwischen dem 8. und 14. Jahrhundert mit ihren Kanus in mehreren Schüben von den ostpolynesischen Inseln kamen und auf der Suche nach neuem Siedlungsland waren. Auf Aotearoa (Maori für Neuseeland) wurden sie fündig. Das "Land der langen weißen Wolke" (Übersetzung des Maori-Begriffs Aotearoa) bot reichlich Land zum Jagen, Fischen und Leben. Hier konnten sie in kleinen Familiengruppen siedeln, wie sie es aus ihrer Heimat gewohnt waren. Später schlossen sie sich zu größeren Einheiten, den "Hapu", zusammen.

Diese Hapu bildeten das soziale Gerüst der Maori-Gesellschaft. In der Folge kam es zu vielen Kämpfen und Kriegen um die fruchtbarsten Böden des Landes. Da die Ehre in der Maori-Kultur eine tragende Rolle spielt, zogen sich diese Kämpfe, in denen es oftmals nicht mehr nur um das Land, sondern auch um Rache ging, über Jahrhunderte hin.

Lange Zeit blieben die Maoris unter sich. Der niederländische Seefahrer Abel Tasmann war 1642 der erste Europäer, der das Reich der Maoris betrat. Damit wurden sie im Gegensatz zu den meisten anderen indigenen Völkern erst sehr spät entdeckt, was ihnen Vor- und Nachteile brachte. Zu einem Erfahrungsaustausch mit anderen Gesellschaftsformen oder Technologietransfer kam es bis dahin nicht. Dies wurde erst möglich, nachdem James Cook 1769 das Land bereiste und kartografierte. Es folgten immer mehr europäische Siedler. Sie brachten neben neuen Lebensweisen und Technologien auch Krankheiten und Waffen. An beiden starben die kriegerischen Maoris in großer Zahl.

Der umsichgreifenden Gesetzlosigkeit versuchte die britische Krone 1840 mit dem Vertrag von Waitangi, der den Inselstaat zu einer britischen Kolonie machte, entgegenzuwirken. Dieser Vertrag gilt noch heute als Gründungsdokument Neuseelands. In der Folge dieses Vertrages, der den Maori-Stämmen uneingeschränkten Besitz über ihr Land zusicherte, kam es bis 1872 zu mehreren kriegerischen Auseinandersetzungen – den Neuseelandkriegen, die auf Unklarheiten im Vertrag bezüglich der Eigentumsverhältnisse zurückzuführen sind. Weitreichende Enteignungen der Maori-Stämme waren die Folge.

Heutige Unstimmigkeiten werden durch das 1975 initiierte Waitangi-Tribunal geregelt. Die britische Krone hat sich inzwischen für die Politik während der Neuseelandkriege entschuldigt. Mit den Enteignungen begann der wirtschaftliche und soziale Abstieg der Maori, die mittlerweile zur Minderheit im eigenen Land geworden waren. Erst in den 1960er Jahren, kam es zu einem umfassenden Aufschwung der Maori-Kultur und zur endgültigen Anerkennung der Maori als politische Kraft durch die Regierung. Nach langen Verhandlungen kam es dann 2008 zwischen der Regierung und einem aus sieben Maori-Stämmen bestehenden Maori-Kollektiv zu einer Einigung in der Entschädigungsfrage. Durch dieses Abkommen wurde das Kollektiv zum größten Besitzer kommerziell nutzbarer Waldfläche Neuseelands. Den Gesamtwert der geleisteten Kompensation beziffert die Regierung auf 500 Millionen Neuseelanddollar.

Heute bezeichnen sich etwa 15 Prozent der Bevölkerung Neuseelands als Maori. Jeder, der sich mit der Maori-Kultur identifiziert und Maori-Vorfahren nachweisen kann, darf sich Maori nennen. In den letzten Jahren ist die Zahl der Maori parallel zur gewachsenen Anerkennung des Maoritums in der neuseeländischen Gesellschaft gestiegen. Weitere Gründe sich offiziell zur Minderheit zu bekennen sind, wie auch in anderen Ländern, damit einhergehende Privilegien – Renteneintrittsalter und Ausbildungsförderung wurden angepasst. Trotz des weitreichenden Wandels in der neuseeländischen Gesellschaft, welcher auch die Erhebung des Te Reo Maori, der Sprache der Maori, zur offiziellen Amtssprache Neuseelands einschließt, liegen die durchschnittlichen Pro-Kopf-Einkommen der Maori noch immer deutlich unter dem neuseeländischen Durchschnitt. Ihre Lebenserwartung ist heute noch niedriger als die der Nicht-Maori.